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unter dem Dach der
Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V.
 
 

Maul- und Maul-Ringschlüsselkombinationen

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27.02.26, 00:35:52

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 27.02.26, 00:45:45

Danke Thomas, es ist ein tolles Hobby, das wunderbar vor dem Einschlafen vom Stress ablenkt und entspannen lässt.



Die Anker-Werke in Bielefeld sind dem Liebhaber deutscher Seitengewehre wohlbekannt, aber sicherlich verbindet das niemand mit dem ursprünglichen Essighersteller Hengstenberg – die haben auch tatsächlich nichts miteinander zu tun, doch in der Namensgeschichte vom heutigen Unternehmen Anker taucht der Name Hengstenberg früh auf:

1876 als „Bielefelder Nähmaschinen Fabrik Carl Schmidt“ gegründet, firmierte das Unternehmen 1894 zur „Bielefelder Nähmaschinen und Fahrradfabrik Hengstenberg & Co.“ um und bewarb mit der Marke „Hengstenberg & Co“ nun neu im Portfolio hergestellte Fahrräder. 1895 folgte die Umbenennung zur „Bielefelder Nähmaschinen und Fahrradfabrik AG vorm. Hengstenberg & Co.“ und 1915 zu der bekannten „Anker-Werke AG“.

Der 155 Gramm schwere und 144 mm lange Schlüssel passt von seinen Maßen auch eher zu einem Bordwerkzeug eines Fahrrads anstatt zum Zubehör einer Nähmaschine. Damit fällt der vermutliche Herstellungszeitraum zwischen 1894 und 1915. Also mindestens 111 Jahre könnte er heute schon auf dem Buckel haben und die Machart sowie die vielen Kerben bezeugen sein Alter.

Beste Grüße
Ferdinand
27.02.26, 04:59:52

Zietenhusar

geändert von: Zietenhusar - 27.02.26, 05:00:29

Ich mag solche Schlüssel mit diesen kräftigen Rändern. Das hat etwas "Organisches" an sich, gepaart mit langer Standzeit.
Zitat von stavblue0815:
...aber sicherlich verbindet das niemand mit dem ursprünglichen Essighersteller Hengstenberg...
Ich verbinde mit Hengstenberg immer noch diesen Samurai, der in der Werbung einen Weißkohlkopf schreddert. :D

Gruß,
Thomas
05.03.26, 00:19:24

stavblue0815

Dieser 2123 Gramm schwere und 607 mm lange Schlüssel Typ B von AWG mit der besonderen DIN 3223 fand seinen ersten Arbeitsplatz wahrscheinlich in einem Feuerwehrauto. Der Wohnungsauflöser hat ihn mir "vermacht": mit ihm hat er viele Jahre lang Straßenabsperrungen entriegelt und für seinen alten LKW zugänglich gemacht. Der LKW wurde wohl verschrottet, doch der alte Feuerwehrschlüssel kam in den Verkauf - sie wussten von so einem Kunden mit so einem Schraubenschlüsseltick, der sich den sicherlich andrehen lassen wollte - wollte er auch.

Beste Grüße
Ferdinand
05.03.26, 10:45:26

Ulan13

Sieht aus wie der Zauberstab eines Schamanen oder Medizinmannes! :D Bin begeistert!

Grüße vom Ulanen
08.03.26, 01:59:43

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 09.05.26, 01:19:28

Eine gemischte kleine Maulschlüsselbande - der Größe nach:

Dem Ersten hat ein Schleifband zugesetzt – ich bürstete ihn deshalb vollständig, mit Mühe erkennt man die „STOEWERWERKE AG STETTIN“. 1872 von Stoewer im heute in Polen gelegenen Stettin als Nähmaschinenfabrik gegründet, firmierte die Firma 1916 zur AG um und legte den alleinigen Fokus auf den Fahrzeugbau. Von 40.000 gebauten Fahrzeugen existieren heute noch 240, von denen sicherlich eines diesen Schlüssel vermisst.

Der Zweite mit der Aufschrift „H. BEHRENDT PASEWALK“ stammt von einer 1872 gegründeten Eisengießerei und Maschinenfabrik, deren mittlerweile 100 Jahre alten Gullideckel mit dem Davidstern man noch heute in ganz Deutschland finden kann, besonders in Pasewalk. Das H. leitet sich von dem Gründer Paul Hirsch Behrehndt ab.

Der Dritte trägt ein einfaches V mit einem B im Kreis,

der Vierte weißt sich mit dem Namen „Teichert & Gubisch-Liegnitz“ als alter Schlesier aus: Teichert und Gubisch sind um 1892 als Besitzer des Unternehmens vermerkt, welches in Liegnitz Dampfkessel herstellte.

Der Fünfte im schmutzigen Rost mit grob abgebrochenen Gussresten trägt ein goldiges Schleifchen und

der Sechste mit der ungelösten Markierung „C F“ mit einem Anker dazwischen besitzt das witzigste Design.

Beste Grüße
Ferdinand
29.03.26, 20:40:29

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 13.04.26, 23:56:04

Dieser rundlich ansprechend geformte Maulschlüssel mit 167 mm Länge und 306 Gramm Gewicht trägt erhaben die Aufschrift: „GSCHMIDT. AUMA. SW.“ Die Historie des heutigen Lagersystemspezialisten beginnt 1868 in Thüringen bei Auma mit der Gründung einer kleinen Maschinenfabrik durch Gottlob Schmidt. Der Fokus lag ursprünglich mit der Erfindung der Dreschmaschine bei der Herstellung von Landmaschinen. Mit der Verstaatlichung als VEB erfolgte nach der Reprivatisierung die Spezialisierung auf Lagertechnik und so schreibt die Firma als Schmidt Auma Lagersysteme bis heute ihre Firmengeschichte fort.

Beste Grüße
Ferdinand
06.04.26, 18:33:16

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 12.04.26, 01:13:17

Ob diese beiden zwar im englischen Sheffield hergestellten, aber von mir in Deutschland erworbenen Doppelmaulschlüssel von 1943 mit Broad Arrow Markierungen den D-Day als Bordwerkzeug miterlebt haben, bleibt freillich Spekulation - könnte aber theoretisch möglich gewesen sein. Unter obigen Link habe ich die Markierungen genauer beschrieben hüstel mit Hilfe der KI bestimmen lassen.

Beste Grüße
Ferdinand
12.04.26, 01:08:24

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 12.04.26, 01:33:49

Mit der Aufschrift "THURINGIA" prahlt dieser Dreifach-Maulschlüsssel stolz von seiner Herkunft: Mit Hilfe von holzwerken.de konnte ich drei thüringische Firmen identifizieren, welche die Bezeichnung Thuringia als Marke verwendeten:

Carl Grübel, Gotha, Thüringen, 1872 gegründet
J. M. Krannich, Menenbach, Thüringen, 1888 erwähnt
Paul Müller, Zella-Mehlis, Thüringen, 1890 gegründet

So verstand man sich in der Kaiserzeit als aufstrebende Industrieregion doch ebenbürtig zum berühmten englischen Sheffield: Thuringia!

Beste Grüße
Ferdinand
18.04.26, 04:14:20

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 18.04.26, 11:57:35

Škoda und Hazet - ein Ausflug nach Tschechien:


Der schwere Škodaschlüssel diente aufgrund seiner großen Weite wohl einem größeren Fahrzeug, dessen damals übliche Markierung "Hercules" als tschechische Qualitätsmarke Ersatzteilhändler für Oldtimer zeitlich in die 1930 bis 1950iger Jahre verorten. Dieses bekannte Logo des geflügelten Pfeils entstand 1926 und soll einen stilisierten Indianerkopf mit Federstirnband zeigen. Das schreiben die von Škoda so tatsächlich. Wie war das nochmal mit kultureller Aneignung?

Die zeitliche Bestimmung von Hazetschlüsseln hat sich als eigene "Wissenschaft" entwickelt: diese beiden Doppelmaulschlüssel haben ein kleingeschriebenes "azet" und ein "L" als Unterstrich und dürften damit 1949 in die Fertigung gegangen sein. Diese werden gerne als "Porsche-Bordwerkzeuge" verkauft - zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die "450iger-Serie" in derselben Zeit den wohl häufigeren Einsatz als Bordwerkzeug für den legendären VW Käfer fand. Gerade letzterer Umstand verleiht den Beiden für mich doch besondere Sympathie. Kleiner Trost für Porschefans: Niemand geringeres als Ferdinand Porsche, der in Maffersdorf - das heute in Tschechien liegt - das Licht der Welt erblickte, gilt als der Schöpfer des VW Käfers. So gesehen ist auch der kleine Käfer ein "Porsche".

Beste Grüße
Ferdinand
24.04.26, 01:07:38

stavblue0815

geändert von: stavblue0815 - 09.05.26, 01:22:58

Ergänzend hier zum vorherigen Beitrag noch ein Link zu einem Hazetkatalog (S.106) mit einem Bordwerkzeugsatz bezeichnet als "Die schmückende Schale - und... => ihr nützlicher Kern" für einen VW Käfer.

Dieser weltweit begehrte Öldienstschlüssel von Hazet verdankt seine Nachfrage seinem witzigem Design und stammt aufgrund seines Schriftzuges mit "little a" und geradem Unterstrich laut oben bereits genannter Quelle aus den Jahren 1951 bis 1965.

Man findet den Öldienstschlüssel der Serie 617 im Hazet-Katalog von 1958 (S. 4) oder auch von 1961 (S. 11). Dass die Kataloge frei verfügbar sind trägt zur weltweiten Sammelleidenschaft sicherlich bei. Aufgrund seiner 7 unterschiedlichen Weiten fand er bei den meisten Fahrzeugen seiner Zeit (Porsche, Mercedes, VW, Borgward, Auto Union) als dankbarer Universalschlüssel Anwendung.

Die Eigentümermarkierung musste natürlich wieder mitten auf die entscheidende Prägung drauf, aber lässt "freundlicherweise" die 617 lesbar bleiben.


Beste Grüße
Ferdinand
 
 
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